Biografie
Alexandra Yangel ist dramatische Sopranistin und war Mitglied des Ensembles der Wiener Staatsoper. An der Bayerischen Staatsoper sang sie Sonja in Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Prokofjews Krieg und Frieden unter der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski. Zu ihren weiteren Engagements zählen Charlotte in Massenets Werther am Theater Aachen und Hänsel in Humperdincks Hänsel und Gretel an der Deutschen Oper am Rhein. Am Theater Erfurt sang sie 2023 Marguerite in Berlioz’ La damnation de Faust und kehrte 2025 als Donna Elvira in Mozarts Don Giovanni zurück.

Alexandra wuchs in Moskau in einer Musikerfamilie auf. Ihre Großmutter war Musiklehrerin und sang schon früh mit ihr. Ihr Großvater war Geiger und nahm sie zu Konzerten mit, noch bevor sie lesen konnte; ihre Mutter, eine Pianistin, begleitete sie bei ihren Auftritten als Kind. Die Oper gehörte von Anfang an dazu: Mit fünf Jahren sagte sie ihrer Familie, dass sie eines Tages Carmen singen werde. Zunächst aber bestimmte die Geige ihr musikalisches Leben. Sie studierte zuerst bei Galina Turchaninova und später bei Irina Bochkova an der Zentralen Musikschule des Moskauer Staatlichen Tschaikowski-Konservatoriums und schloss ihre Ausbildung nach vierzehn Jahren mit Auszeichnung ab.
Mit neunzehn Jahren begann sie Gesang zu studieren und entschied sich innerhalb eines Jahres, Sängerin zu werden. 2013 zog sie nach Wien, wo sie an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien bei der Kammersängerin Elena Filipova und bei Birgid Steinberger studierte. Das Bachelorstudium Sologesang und das Masterstudium Lied und Oratorium schloss sie jeweils mit Auszeichnung ab.
2016 führte ein Wettbewerb in Wien zu einer Einladung zum Vorsingen an der Wiener Staatsoper. 2017 wurde sie Mitglied des Ensembles. In den folgenden zwei Spielzeiten sang sie dort unter anderem Gláša in Káťa Kabanová, Julie in Dantons Tod und Dame comme ci, comme ça in Der Spieler. Daneben studierte sie als Cover rund zwanzig weitere Partien ein.
Am Teatro Petruzzelli in Bari sang sie Waltraute in Wagners Die Walküre, bei der Oper Klosterneuburg Nicklausse in Hoffmanns Erzählungen. An der Deutschen Oper am Rhein sang sie außerdem Lucienne in Korngolds Die tote Stadt, Diana in Orpheus in der Unterwelt und ein Blumenmädchen in Parsifal. Sie wirkte bei der Uraufführung von Péter Eötvös’ Sleepless an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und später bei Aufführungen am Grand Théâtre de Genève mit.
Die Geige hat sie nie ganz losgelassen. Zweimal spielte sie auch auf der Opernbühne Geige: während Nicklausses Arie in Hoffmanns Erzählungen und am Ende von Krieg und Frieden in München. Ihre Jahre als Geigerin prägen ihren Gesang bis heute, besonders ihre Phrasierung, ihr Gespür für Klangfarben und die Intensität ihres Tons.
Ihr aktuelles Repertoire umfasst Wagners jugendliche Heldinnen – Sieglinde, Senta, Elsa und Elisabeth – sowie Tatjana in Tschaikowskis Eugen Onegin, Johanna in Die Jungfrau von Orléans und Marietta in Korngolds Die tote Stadt. Was sie an diesen Partien reizt, sind ihre darstellerischen Anforderungen ebenso wie die Art, wie sie für die Stimme geschrieben sind. Besonders interessiert sie, was Musik und Text über eine Figur offenbaren – auch das, was diese selbst nicht zum Ausdruck bringen will oder kann.
Alexandra ist deutsche Staatsbürgerin. Sie lebt derzeit in Berlin.